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„Leichtfüßig in einer digitalen Welt“ – Leserbrief im Falter

 

Im Februar 2016 erschien ein Leserbrief von Christian Zoll zum Thema Medienkompetenz im Falter. Hier zum Nachlesen!

Leserbrief zu “Kidz, lernz endlich Medien”

Bessere Protagonisten als Tick, Trick und Track hätte Benedikt Narodoslawsky für seinen Medien-Kommentar nicht wählen können. Seinem Ruf nach einem Pflichtfach Medienkunde in der Schule ist dabei ohne Einschränkung zuzustimmen.

Doch wie hätten Donalds schlaue Neffen die Herleitung und Argumentation seiner Forderung aufgenommen? Ähnlich wie die drei im Comic das zeitweilig mangelnde Wissen ihres Onkels mithilfe des schlauen Buches auffrischen, bewegen sich heutige Jugendliche in der digitalen Welt oftmals wesentlich leichtfüßiger als ihre Eltern und Lehrkräfte.

Die Bundesjugendvertretung weiß aus ihrer langjährigen Arbeit mit Jugendlichen und Jugendorganisationen: die Diskrepanz zwischen der erwachsenen Wahrnehmung junger Menschen als passive Opfer, die man vor den „Ungeheuern aus den Tiefen des Datenmeeres“ beschützen muss, entspricht nur selten der Selbstwahrnehmung der so genannten „digital natives“.

Diese haben sich im vergangenen Jahrzehnt ihren eigenen Zugang zur Online-Welt geschaffen – weitgehend ohne Mitwirkung von Erwachsenen, meist ohne jede Medienkunde in Schulen und ohne das Gefühl, dabei „allein gelassen“ zu werden. Daraus kann man ableiten, dass „Medien lernen“ zu einem großen Teil auch „von jungen Menschen lernen“ heißt. Peer-to-peer-Ansätze, intergenerationelles und familiäres Medienlernen sind in diesem Zusammenhang gänzlich unterschätzte Formate, die neben schulischer Medienbildung ihren festen Platz haben müssen.

Und dennoch: die Einführung von Medienkunde in den Schulunterricht ist dringend notwendig, sei es als gänzlich neues Pflichtfach oder verpflichtendes Querschnittsmodul für den Fächerkanon in Pflichtschulen. Ziel muss sein, Medienkompetenzen von jungen Menschen zu stärken, so dass sie ihre selbstverständlichen digitalen Skills im Alltag um kritische Reflexion, Empathiefähigkeit und rechtliche Konsequenzen von Online-Handlungen erweitern können. Von zentraler Bedeutung ist, dass junge Menschen problematische Aspekte des digitalen Alltags wie Datenschutz und Urheberrecht selbst erarbeiten und verstehen können. Eine paternalistische Pädagogik, welche das Wissen und die Interessen der „Kidz“ übergeht, ist in diesem Zusammenhang zum Scheitern verurteilt.

Dafür braucht es eine verpflichtende medienpädagogische Ausbildung für Lehrkräfte sowie die Öffnung von Schulen für externe Akteure mit entsprechender Expertise wie z.B. die außerschulische Jugendarbeit. Interaktive Methoden, die unter anderem auf Alter, Geschlecht und soziokulturelles Umfeld der Schülerinnen und Schüler Rücksicht nehmen, sind eine weitere Voraussetzung für die Vermittlung von Medienkompetenz in der Schule. In Verbindung mit einer flächendeckenden digitalen Infrastruktur an Schulen trägt dies zum Heranwachsen medienkompetenter und mündiger Bürgerinnen und Bürger bei. Schließlich müssen Kinder und Jugendliche selbstverständlich in die gesellschaftliche Debatte um Medienbildung mit einbezogen werden. Tick, Trick und Track würden es nicht anders sehen.

Autor: Christian Zoll

Erschienen im Falter, Februar 2016

Tags:Medienbildung, Medienkompetenz

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